Monthly Archive for Dezember, 2008

Neujahrskonzert der Union Beulshausen

montreuxBonn-dpa

Um nachdrücklich ihren Siegeswillen für das neue Jahr zu bekräftigen, spielt die Union ein Konzert für diejenigen, die auch nach Silvester noch bereit sind, sich für eine Unze Crack bis zur Unkenntlichkeit zu erniedrigen. Zusammen mit dem Ohlsen Syndrom und dem Pack am Sa. 03.01.09 ab 20:00 Uhr im LOGO! Christoph Drave, Rüdiger Hensel und Beulshausen selbst danken dem Publikum aus der Vergangenheit im längst vergessenen Jahr 2008!

2009 ? Nie gehört…

sitting-1webGestern spielte ich, im Rahmen meiner Sozialstunden wegen der alter Küster, in einem Waisenhaus ein wenig Cha Cha Musik für die  frühen Abendstunden. Eigentlich vom Bodenpersonal eingeteilt, die Scheißhäuser einer Grundreinigung zu unterziehen, hatte ich vorsorglich meine Gitarre mitgebracht, um derlei Unappetitlichem dadurch zu entgehen, dass ich für die Elternlosen ein paar schmissige Lieder spielte, damit sie in ihrem Schmerz zusätzlich noch die Sinnlosigkeit des Lebens erkennen konnten.

 
Während der letzten Takte meiner zweifellos genialen Darbietung, zwei der sieben Zuhörer hackten schon mit Esslöffeln auf ihre Pulsadern ein, der Zivi hatte den Klodienst aufgedrückt bekommen, drängte sich eine kleine, geheimnisvolle Prozession eilig über meine imaginäre Bühne zum Ausgang hin, scheinbar auf große Diskretion bedacht. Typen in schwarzen Anzügen und Sonnenbrillen, von denen einer gleich meine Gitarre mit Karacho am Türrahmen zerkloppte, wohl um die Wichtigkeit seiner Unternehmung im Verhältnis zur meinen zu unterstreichen.

 
Der Zerklopper und ein anderer waren  schon an mir vorbei gedrängt, weitere folgten, die in ihrer Mitte etwas Kleineres, Unförmiges zu schützen, zu verbergen suchten. Die Leiterin des Waisenhauses, eine Frau Schuppe dirigierte das Grüppchen, die Arme weit ausgebreitet, die zu Leitenden symbolisch umfassend, gen Ausgang hin. Fast waren sie alle schon zur Tür heraus, da stürzte einer der Sicherheitsleute über ein paar achtlos liegen gelassene Liebeskugeln, schlug lang hin und man konnte für einen Wimpernschlag deutlich erkennen, wen sie hinter ihren massigen Körpern versteckt hielten. Ganz kurz kreuzte mein neugieriger Blick den der kleinen Frau, die nun Schutz suchend, irritiert um sich spähte aus kleinen, verschlagenen Augen.

 

Kein Zweifel möglich, die Frau erkannte ich am Dekoltee! Die Merkelsche!
Die Kanzlerin der Herzen, die, die selber kocht, wenn mal ein anderes Politikerpaar zum Essen kommt! Gern hätte ich sie angesprochen, doch schon wurde der kleine, drollige Körper hinfort gerissen, die Gruppe war zur Eingangstür hinaus geflutet und Frau Schuppe hatte diese wieder verschlossen und blieb selbst demonstrativ noch einige Minuten davor stehen, um den Rückzug der seltsamen Besucher zu decken. Dann ging sie entschlossen,  raumgreifenden Schrittes in ihr Büro, drehte hörbar den Schlüssel im Türschloss und war für niemanden mehr zu sprechen. Mir wurde gesagt, ich könne nun nach Hause gehen und mir ein oder zwei Waisen mitnehmen. Unter dem Vorwand, mir welche aussuchen zu wollen, stahl ich mich in den Korridor mit den vielen Türen, aus dem die Prozession gekommen war und in dem ich Konspirativstes zu erfahren hoffte.

 

Was machte die Kanzlerin nach Weihnachten in einem Waisenhaus? Auch Sozialstunden? Wohl kaum! Neben jeder der Türen war in Augenhöhe ein Plastikschild montiert, in das ein dünner, bedruckter Streifen Papiers geschoben war, der auf den Rauminhalt hinwies.  Gleich die erste Tür, an der stand “Vollwaisen”, war zugesperrt. Eine Tür nach der anderen klapperte ich ab, “Halbwaisen”, “Art & Waisen”, “Waisenmehl”, alle verschlossen. Hinter der vorletzten saß ein “Zonk” und ich wollte schon aufgeben, als ich die letzte Tür des Korridors einen Spalt weit aufstehen sah. Ich linste auf das dazugehörige Schild: “Wirtschaftswaisen” stand da geschrieben. Hoffentlich nicht noch ein “Zonk” dachte ich, dann hätte ich einpacken können. Gerade war ich im Begriff mit zartem Finger anzuklopfen, da öffnete sich die Tür, die gerade noch fast vollständig angelehnt, lediglich einen Lichtschimmer vom Inneren des Raumes preisgab, und ein eiskalter Luftzug drohte mir den Atem zu rauben.

 

Es war niemand zu sehen, obwohl ich den Eindruck hatte, dass gerade mindestens eine Person an mir vorbei gehuscht war.
Dann wurde ich mit dünner Stimme („…der Nächste bitte!“) hereingebeten. Drinnen war man offenbar verwundert über meine scheue, zurückhaltende Art. „Noch nie einen Profillosen gesehen?“, wollte eine Stimme aus dem Gegenlicht des Waisenraumes wissen, doch da mein Gesicht weiterhin offenen Mundes, fragend in die Flut aus Kerzenlicht starrte, antwortete die Stimme lieber gleich selbst. „Man kann sie nur von vorne oder hinten sehen, von der Seite sind sie unsichtbar. Aber kommen sie doch rein!“ Das einzige Fenster des Raums war mit einem „Status Quo“-Starschnitt zu gehängt, dem Rick´s rechte Hand und John´s Kopf fehlten.

 

Tastenden Schrittes, einen Fuß vorsichtig vor den anderen setzend, betrat ich den Raum und sah mich schüchtern um. Das Zimmer war nicht sehr groß, aber gemütlich. Im warmen Schein mehrerer Kerzen, deren Wachs unkontrolliert auf die kärglichen Möbel, dann weiter auf den Linoleum- boden tropfte, waren fünf Etagenbetten vorherrschend. Einmal zwei, ein- mal drei übereinander, jeweils rechts und links des Eingangsbereichs platziert. Hier war zweiffellos die Putze lange nicht gewesen, aber das hatte mich nicht zu kümmern. Meine Aufmerksamkeit galt vielmehr den Wichten, von denen ich fünf zählen konnte, jeder im Schneidersitz auf einem der fünf Bettchen kauernd, grinsend, mit schneeweissen Bärtchen, strickend. Mich oder aber irgendjemand scheinbar erwartend.

 

Aus eben dieser Situation entwickelte sich folgendes Gespräch, das ich Ihnen, liebe Leser hier dokumentiere, aus bestmöglichen Gedächtnis und bei meiner Ehre, in tieftster Wahrheitstreue, unverfälscht, nur ein wenig in Form gestriegelt.

 

„Ich hab´keine Ahnung, was ein Profilloser ist und euch kenne ich auch nicht, aber kann ich hier mal schiffen?“ Meine Eröffnung gelang tadellos. Für die Wichte sprach ein Herr mit Namen „Herr Nilsson“, welcher gleich auf dem ersten Bettchen saß und mich glauben liess, er sei der Anführer der Wichte.

 

„Wehe, du pinkelst uns in die Hütte!“ Herr Nilsson schien ein wenig überspannt. „Dreh dich mal“, befahl er und machte eine fordernde Handbewegung mit seinem Strickzeug, das er kaum aus den Augen liess. Ich drehte mich, sodass er mich von der Seite betrachten konnte und er schien zufrieden. „Na wenigstens Profil!“, lobte der Wicht und die anderen Wichte raunten sich Dinge zu. „Hierher kommen sonst nur die Lenker des Landes“, hob er an, „entweder sind es Profillose oder die ohne Rückgrat, die von ihren Leuten her gebracht werden. Wir stricken hier nämlich an der Zukunft!“ Jetzt lächelte Herr Nilsson.

 

„Dann seid ihr die fünf Wirtschaftswaisen?“ „Jep.“ „Dann sagt doch mal, was geht denn ab in 2009?“, fragte ich erregt.
„Die Quaste pudert auch den Po!“, rief ein anderer Wicht vom zweiten Bett herunter, eine Zeitung anstarrend, deren Buchstaben auf dem Kopf standen. „Das ist „Hohlbratze“, unser erfolgreichster Augure, er spricht nur in Rätseln!“, wirft Herr Nillson erklärend ein. Dann lachen alle hysterisch. „Was wird denn nun im nächsten Jahr?“ ,frage ich ein weiteres mal höflich. Wieder lachen alle Wichte mitleidig. „Mein lieber Junge…“, Herr Nilsson gibt sich sichtbar grösste Mühe, ernst zu bleiben, „…dieses 2009 ist reinste Utopie, nichts weiter als eine Modeerscheinung, eine Erfindung einiger rebellischer Jugendlicher!“

 

„Aber sie können doch nicht leugnen, dass auf 2008 unweigerlich 2009 folgen muss!“ Ich begann, nervös zu werden, heute war der 31.12.2008. „Sie können uns glauben, junger Mann, die Strickerei lügt nie, 2009 ist Quatsch, es gibt keine Hinweise auf ein solches Jahr!“ Herr Nilsson gab mir noch ein paar mies gestrickte Socken mit, dann bellte er heiser: „Der Nächste!“, und ich wurde erneut von Sicherheitsleuten, die einen Rückgratlosen hereinschleppten verdrängt, bis vor die Tür hinaus zurück in den Flur, wo ich ratlos ausrollte. Die Wirtschaftswaisen hatten meines Wissens noch nie richtig gelegen, aber was war, wenn sie dieses eine mal Recht behielten, wenn es weiter gar nichts geben sollte ab 24:00 Uhr? Wieder zu Hause bestellte ich einen Club Soda bei meiner Mutter. Während sie mir das Glas reichte, sah sie mich aus traurigen, geröteten Augen Hilfe suchend an. „Guten Rutsch, Junge!“

 

Sie hat es von Anfang an gewusst!

Knollenblätterpilzkrokant von 1976 voller Pestizide !

grundgens-kopieLiebe Familie,
bevor ich mich darin ergehe, euch einen, ein weiteres mal von Gefahren, Irrtümern, Fehleinschätzungen und radikalem Geldverlust geprägten Jahreswechsel zu wünschen, ist es mir ein unstillbares Verlangen, ja geradezu eine heilige Pflicht, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass der Verzehr von Knollenblätterpilzkrokantpralinen aus der Weihnachtsproduktion von 1976 nicht mehr angeraten ist. Irgendwas ist faul an den Dingern.

 

So waren sie am Heiligen Abend das einzige, was Mutti noch im Schrank hatte. Die Packung war bereits aufgerissen, Mutti um fünf schon bewusstlos, also leichtes Spiel für einen ausgehungerten Sohn. Gierig und mit zittrigen Fingern angelte ich Praline für Praline aus der Schachtel und machte mir nicht mal die Mühe, das lästige Staniolpapier zu entfernen, mit dem jeder der kleinen Kameraden ummantelt worden war. So wollte ich verhindern, dass meine Hände bei späterer, genauer Prüfung durch die  bestohlene Mutter nicht voller verräterischer Knollenblätterschokolade waren, die man so schlecht ab bekam. Kaum war die letzte der Leckereien im Schlund der Ewigkeit versackt, machte sich eine unangenehme Unruhe breit, in dem, im inneren des Körpers gelegenen Magensack schwoll Rebellion zu Umsturz, das war nicht zu ignorieren.

 

Also rannte ich auf das Wasserklosett, auf das wir sehr stolz sind, es ist unseres Wissens eins der ersten, die es auf der Welt gibt und wir teilen es mit den anderen zehn Mietparteien dieses Hauses. Kaum hatte ich die hölzerne Tür zum Lokus aufgebrochen, die alte Frau Küster mit ihrem Holzbein vom Schacht gezerrt und rausgeschmissen (die mit ihrer ewigen Verstopfung), mich selbst krachend auf die Brille gehievt, da brach er auch schon los, der Sturm der Gase, das immer währende Ringen des Meeres mit dem Land, die Apokalypse!

 
Und als hätte es als Buße für einen läppischen Diebstahl nicht ausgereicht, die ganzen Weihnachtsfeiertage auf dem Schacht zu verbringen, bekam ich zusätzlich Visionen, sah mich auf großen, bunten Gummibällen durch ein Weltall aus Staniolpapier hüpfen, die Klotür als die Pforte zum Universum gegen einen blassgrünen  Leviathan verteidigend (das war die alte Küster, die wieder rein wollte). Da ich mich nun nicht, wie vorgeschrieben beim Entleeren, mit dem Gesäß fest an die Brille presste, sondern wie besessen in der engen Toilettenhütte auf und absprang, die Knollenblätterschokolade aus allen Öffnungen meines geschundenen Körpers heraus katapultierend, gab es eine Riesensauerei und von der Mutter, die am 2. Weihnachtstag aufwachte, ordentlich was hinter die Löffel.

 

Doch die Vergiftung hielt mich noch Tage nach dem Weihnachtsfest erbarmungslos umklammert, die Nebel hatten sich auch am Samstag noch nicht gelichtet, als ich mit der Mutti “Geschenke umtauschen” musste, wie sie es nannte. Als die gute Frau mit geübtem Blick ein Schnapsregal taxierte und meine Hand kurz losliess, um beidhändig Hochprozentiges in Hose und Jackeninnentasche verschwinden zu lassen, ging ich kurzerhand aus Versehen mit einer anderen Frau mit. Leider hat mich deren Ehemann, als er Tage später, ich hatte mich schon ganz gut eingelebt, den Irrtum bemerkte und mich zu einer enttäuschten Mutter zurückbrachte.
Wenigstens gibt´s heute Abend Lametta.


Scheut euch auch weiterhin nicht, mir gefühlloses Zeug zu schreiben an:
info@beulshausen.com


Es küsst euch auch im neuen Jahr

Euer Ehren beulshausen.com

Nächster Ausstieg: Katzenklappe

ekstraNach neuesten Berichten gut riechender Intimsphären, plant die wohl teuerste Popgruppe der Welt “Johnny Liebling”, alle traumatischen Erlebnisse ihrer mit Wolfsmenschen & sexuellen Übergriffen gepflasterten Tournee des unheiligen Jahres ‘06 nun als Hörbuch aufzunehmen. Die Mitglieder der Gruppe werden im Moment in allen Teilen der uns bekannten Welt eingefangen und mithilfe ungültiger Scheinverträge im Oktober mit Starproduzent Christian Mevs in ein Studio gezwängt.

 
Die Besitzer von “Johnny Liebling” hoffen, noch in diesem Jahr vorab eine Karaoke-Version zum selber lesen präsentieren zu können.

Beulshausen verliest “Fette Sau”

futaBeulshausen, der den Sommer über auf einen eigenen Todesstern gespart hat, beackert damit derzeit Nena´s komische Schule. Dann spielt er eins der letzten Konzerte im September mit der unsinkbaren “Union Beulshausen”, vorher wird feierlich die Randgruppen-Geschichte “Fette Sau” gelesen und vielleicht wird ein Riesenleguan einige von Ihnen fressen, aber nicht alle.  Am selben Abend, nur kurze Zeit später, liesst dann der unvergleichliche Heinz Ratz eine seiner Hammergeschichten vor, spielt Ihnen daraufhin einen Gig mit der Band “Strom & Wasser” und wird wohl, wie verschiedene Handleser prognostizieren, erneut mit der Abendkasse stiften gehen.

 
Das ganze findet statt am Mittwoch, 24.09. im “Marx” (Markthalle) Bitte sein sie unser Gast, werden auch Sie Opfer der von Moskau ferngesteuerten Taschendiebe (die vermeintlich besten der Welt).

 

Wir freuen uns. beulshausen.com