[Actors]:  [Ralph Beulshausen] [Rüdiger Hensel] [Christoph Drave]



Zwischen Nigel und den Dead Kennedys

hit it

hit it

„Was soll schon laufen, wenn noch nicht mal mehr was geht?”,

Unter dem viel zu engen T-Shirt von Sänger Beulshausen zeichnen sich deutlich die Konturen des billigen Herzschrittmachers ab, den sie ihm kürzlich in der Uniklinik versuchsweise einsetzten und der „die Pumpe bis auf 240 Sachen bringt!”, wie er prahlt.

Das halbe Gesicht unter einer dicken Schicht verschmierten Lippenstifts versteckt, sitzt er in einer stickigen Garderobe, in der die Band später noch zu schlafen gedenkt und referiert in mein Diktiergerät über die Idee hinter seiner neuen Liebe „Union Beulshausen”, dem Hamburger Trio, das er gemeinsam mit dem Violinisten Chris Drave und seinem alten Weggefährten, Ex-”Johnny Liebling”- Schlagwerker Rudi Hensell vor gut einem Jahr ins Leben rief.

„Ich hatte da diese neun Songs, alle nur mit Akustikgitarre komponiert, so einfach wie abgespeckt und hatte Lust ein Album zu machen wie „Exile on Main Street” von den Rolling Stones, sozusagen ein Folk-Album, aber mit deutschem Text.”

Mit Produzent Chris Kiel entstand in einem leerstehenden Bürogebäude an ein paar grauen Tagen im Winter ´07 das Album „4 oder 5″, auf dem Beulshausen, aus chronischem Geldmangel, alle Instrumente selbst spielte.

„4 oder 5″ besticht dann auch durch eben diesen Geist des einfachen, aber intimen, rumpelt wie Velvet Underground und leidet süß wie Neil Young, begleitet vom Rhythmus einer ausrangierten Heimorgel.

Doch Beulshausen, nach einem Schlag auf den Hinterkopf auf einem Auge weitsichtig, wollte mehr: „Live spielen, klar, aber der x-te Junge mit der Gitarre wollte ich nicht sein, ich bin doch nicht Yussuf Islam!”, ruft er lautstark und legt sich sein Holzbein bequem zurecht, bevor er der jüngeren Bandgeschichte Rechnung trägt.

Draussen im Saal ist Soundcheck, doch irgendwie erinnert das, was zu uns rein dringt, nicht an eine Folkband. Schlagwerker Hensell drischt auf eine Mercedes-Radkappe ein, weil die „wie ein Unfall” klingt.

„Nachdem wir eine Weile zusammengespielt hatten, entdeckten wir neben Folk, Country und Bluegrass eine weitere, gemeinsame Vorliebe, die kultische Verehrung des Punkrock und „Noise”-Bands wie „Led Zeppelin” oder „Sonic Youth”.”

Um der Gruppe möglichst schnell ein Gesicht zu geben, nahmen „Union Beulshausen” das neue Album „Gift” auf, das sowohl mit lupenreinem Country á la Cash glänzt („Fox”, „Niemals”), als auch brachial mit zwei E-Gitarren um sich schlägt („Gift”, „4 oder 5 Boden-Luft”). Herz dieser Platte jedoch ist eindeutig eine 10-minütige Version des „Trio”-Klassikers „Halt mich fest ich werd verrückt”, eine Hommage an die Spielfreude der 1970er Jahre.

Im Saal wird es dunkel, nur ein Spot wirft fahles Licht auf die rechte Seite der Bühne. Beulshausen, nebenberuflich erfolgreicher Kinderbuchautor („Gefährliche Vagina”), hat trotz künstlicher Hüfte schnell wie ein Luchs die Rampe erklommen und hantiert in Prä-Ekstase an der Antenne eines analogen Synthesizers herum. Irrwitzige Töne aus dem Weltraum rufen das Publikum zum Tanz, die Violine fängt an zu weinen, wieder die Radkappe, ein unerbittlichem Rhythmus schält sich sicher aus dem Lärm, es geht los.

„Es waren 4 oder 5, die haben sie irgendwo gefeuert und die hassten graue Tage…”

In diesem Sinn.



Sven Simon

www.beulshausen.com |  www.myspace.com/unionbeulshausen

info folgt